Situationen

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Dies ist eine ungeordnete Liste von illustrativen Beispielen von Aha-Erlebnissen und Situationen, in denen sie Auftreten.

Contents

Soziale Situationen

Soziale Situationen scheinen einen häufigen Kontext für Aha-Erlebnisse zu bieten und wurden in meinen Fragebögen oft erwähnt.

  • Betrug
  • Erklärung - Für einen Überblick der Forschung zum Thema, u.a. auch den Aspekt der Illusionen des Verstehens siehe Keil (2006). (Keil, F.C. (2006). Explanation and Understanding. Annual Review of Psychology, 57, 1, 227-254.)
  • Missverständnisse - wenn sie aufgeklärt werden (per Definition!)
  • Attribution von Verhalten
  • Witz
  • Frage-Antwort-Spiel in der Schule (kleiner Aha!)

Typische Situationen

  • Zeit: Um die Ecke gedacht (ein Kreuzworträtsel)
  • Entdeckung eines kausalen Zusammenhangs, scheint ein Musterbeispiel für ein Aha-Erlebnis zu sein
  • Buch lesen
  • Literal Word Sense: Damit ist gemeint, dass man nach jahrelangem, manchmal jahrzehntelangem Gebrauch eines Wortes plötzlich darauf hingewiesen wird, oder selbst feststellt, dass das Wort auch eine wortwörtliche Bedeutung hat, die Sinn macht, mit der man es jedoch nie assoziiert hat. z.B. "Fissematentchen", das sich vom französischen "visite ma tente" ableitet ("besuch mein Zelt") und auf die Tendenz deutscher Mädels anspielt, mit feschen französischen Soldaten anzbändeln, was von ihren Müttern nicht gern gesehen wurde.
  • Problemlösung
  • unbekanntes Geräusch - nachschauen (Das sollte eigentlich schon bei Tieren ganz genauso funktionieren!)
  • Kunst (+Ästhetik): Auch hier werden manchmal plötzlich Schemata aktiviert. Deshalb ähnelt Kunstgenuss in manchen Fällen einem Aha-Erlebnis (siehe Koestler 1964; Deacon 2006).
  • Etwas, das ich vergessen hatte, fällt mir plötzlich wieder ein.
  • Poeten schmieden Metaphern, wir verstehen sie mit Aha
  • bei Antworten auf Fragen
  • Matrose im Ausguck - eine Wahrnehmung, die erst mit Zeitverzögerung "Erkennen" auslöst, ruft ein Aha-Erlebnis hervor
  • Tip-of-the-tongue Experience ("es liegt mir auf der Zunge")-->beim Einfallen

Situationen aus der Literatur

  • Zwei Männer laufen in der Wüste und finden einen Toten mit Rucksack und Proviant und wundern sich. Als einem der Männer später sein Taschentuch aus der Hosentasche fällt, geht ihm ein Licht auf: es war ein Fallschirmspringer! (Mosler 1977, zitiert nach Seifert et al. 1995)
  • Insight can occur in a variety of cognitive domains: perceptual identification of degraded or ambiguous visual stimuli, word puzzles, jokes, metaphors, riddles, complex reasoning, trivial problems, artistic creations, personal revelations, important scientific or theoretical breakthroughs (Bowden & Jung-Beeman 2007)
  • Erkennen der Übertragbarkeit einer früheren Problemlösung auf ein neues Problem
  • Lernen im Reitkurs
  • Psychotherapie (+Emotion): Die emotionale Umstrukturierung (Aha-Erleben) ist mit er­heblichem Gefühlsausdruck verbunden (Weinen, Wüten, Schreien, Lachen). Die Unterstützung dieses Ausdrucks erleich­tert diese Umstrukturierung (Rückkoppelung).
  • Psychotherapie (Castonguay & Hill 2007)
  • Life Coaching (Longhurst 2006): prime device by which clients in life coaching achieve transformational (rather than incremental or merely behavioural) change
  • Aha und Kunst: The literature of psychology describes the instant of insight and release in puzzle or problem solving as the aha (sometimes ah-ah) experience. It would be useful to consider whether the type of satisfaction afforded by a particularly compelling interpretation corresponds to this is any meaningful way, since it would seem to imply that an artwork is principally something to "figure out," rather than something to experience in an open-ended manner. - Faculty of Creative & Critical Studies, UBC Okanagan, Words Of Art, http://people.ok.ubc.ca/creative/glossary/a_list.html, accessed 6.8.07
  • insight is similar to a large domain of cognition including perception and language processing (e.g. metaphors, garden-path sentences, jokes, etc.) (Bowden et al. 2005, S. 326)

Beispiele

  • Zur Verdeutlichung des Aspekts der bekannten Informationen ein Beispiel: Wenn ich etwas Neues erfahre, dass ich noch nie zuvor wahrgenommen habe, habe ich kein Aha-Erlebnis. Ich werde z.B. gefragt: „Wie heisst die Hauptstadt von Burkina Faso?“ und weiss es nicht. Mir wird die Antwort, „Ouagadougou“ gesagt. Habe ich das schon einmal gehört. AHA! Habe ich das noch nie gehört. kein Aha-Erlebnis
  • Ich sehe jemanden und weiss nicht woher ich ihn kenne. Ich überlege und überlege, bis es mir einfällt: "Aha, ich kenen ihn aus dem Cideci!"
  • Beispiel zur Vertrautheit: Ich höre ein unbekanntes Geräusch und schaue nach, wovon das Geräusch verursacht wird. Ist es ein Alien, das ich noch nie zuvor gesehen habe, habe ich kein Aha-Erlebnis (auch wenn sicherlich andere Emotionen ins Spiel kommen). Ist es ein mir unbekannter Vogel, erlebe ich einen kleinen *AHA!*. Ist es meine eigene Katze, erlebe ich einen grösseren *AHA!*. Hierbei wird das Schema meiner Katze verändert. Es wird um ein neues Geräusch, das sie machen kann erweitert.
  • Ich habe Davidson (1995, S.149) gelesen. Da steht folgendes Problem "Ein Mann fährt mit 40mph von New York nach Philadelphia, ein anderer fünfzehn Minuten später mit 55mph von Philadelphia nach New York. Die Strecke beträgt 90 Meilen. Wer ist näher an Philadelphia, wenn sie sich treffen." Ich bin reingefallen, habe erst angefangen zu rechnen, mir ist die Lösung dann aber eingefallen. Es war auf jeden Fall eine klassische Einichts-Lösung, aber kein besonders starkes Aha-Erlebnis. Es hat gerade mal zu einem leisen Lächeln gereicht. Was sagt uns das über Einsicht und Aha-Erlebnis? Es zeigt, dass eine ganz wichtige Variable für ein starkes Aha-Erlebnis der emotionale Druck ist, der auf uns lastet. Wenn mit dem Aha-Erlebnis keine emotional stark belegten Veränderungen verbunden sind, so wird man es kaum spüren. Wenn ich im Supermarkt eine halbe Stunde nach der Butter gesucht habe, dann fühlt es sich anders an, sie zu finden, als wenn ich mich nur "verguckt" habe und sie nicht rechts sondern links neben dem Käse liegt.
  • Aha-Erlebnis beim Thema Literal Word Sense: Gestern beim Capoeira sangen sie ein Lied, das ich nicht kannte. Es war eindeutig Portugiesisch (und ich kann Portugiesisch), aber die Laute machten keinen Sinn. Das ist mir schon mehrmals passiert mit fremdsprachigen Liedern, dass ich die Laute, die gesungen werden in etwa kenne und auch singe, aber nicht klar ist, welches Wort das sein soll, oder was das Wort bedeutet. Wenn ich dann später auf einmal feststelle, was gemeint ist, habe ich ein Aha-Erlebnis. Und gestern, als ich daran dachte, hatte ich noch eins: mir wurde plötzlich bewusst, dass dieses Beispiel wunderbar zu meiner Theorie der Delayed-Perception passt.

Es wird sogar noch zusätzlich etwas klar, nämlich der Unterschied zwischen dem Wahrnehmen der Laute und dem Sinn, der dahintersteckt. Nur wenn der Sinn erkannt wird, gibt es ein Aha-Erlebnis. Wenn die Laute ein unbekanntes neues Wort ergeben, kann man keinen Aha erleben, weil es kein internes Schema gibt, dessen Aktivierung ihn auslösen könnte.

  • Zahnärztin, die nicht alle Zähne einzeln abklopfte und zwei kleine schwarze Löcher "stehen ließ". Meine Interpretation: Inkompetenz. Dann fragte Oma nach. Neue Interpretation: Sie sieht alles auch so und bei meinen robusten Zähnen sollte man bei solch kleinen Löchern nicht bohren, daher hat sie es einfach gelassen, sich aber aufgeschrieben. Ein Wechsel in der Interpretation erfolgt mit einem Aha-Erlebnis. Dabei werden die vorhandenen Elemente neu verknüpft (vom Inkompetenz-Schema zum Kompetenz-Schema bei der Ärzting, vom Ich-weiss-schon-alles-Schema zum Wieder-was-dazugelernt-Schema bei mir)
  • Badelatsch - Was ist das Blaue da? Ach, mein Badelatsch! Ein kleiner Teil aktiviert das ganze Schema plötzlich. (oder zumindest gelangt es plötzlich ins Bewusstsein)
  • Gesicht in einer Wolke erkennen (wenn jemand anderes es einem beschreibt). Koestler (1964, S.375/76) gibt noch einige Beispiele mehr, bei denen aktiv etwas in beliebige Formen "hineininterpretiert" wird. Sowohl beim bekannten Rorschach-, als auch beim Thematischen Apperzeptions-Test ist genau das ja das zugrunde liegende Prinzip: unsere Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, wenn wir nur Stimuli ausgesetzt werden, die auf irgendeine Art und Weise das jeweilige Schema aktivieren. Dies alles verdeutlicht, dass es keine "echten" und "falschen" Ahas gibt. Alle sind relativ, nämlich zu den in unserem sensorischen und neuronalen Apparat bestehenden Schemata. Es gibt keine "Wahrheit enthüllenden" Ahas, da es keine Wahrheit gibt, die wir "wissen" könnten (siehe Fox 2007). Das einzige, was es gibt, ist eine stimmigere Repräsentation der sensorischen Daten mit unseren Schemata. (Fox Vernon, R. (2007). A philosophical analysis of insight. In: Castonguay, S. 423-438)
  • ganz ähnlich: Santa Anita - Jesusbild auf dem Fels entdeckt, jetzt wird eine Kirche gebaut
  • Zeitungs-Abo-Betrüger: In der Heidelberger Fußgängerzone sprach mich ein Jugendlicher an und wollte mir ein Zeitungsabonnement "aufschwatzen". Er erzählte mir dafür, er sei auf Erziehungskur, und um sein Resozialisierungsprogramm zu finanzieren müsse er Geld verdienen. Abos zu verkaufen war seine Art, dieses Geld zusammen zu bringen. Ich brauchte keine Zeitung, aber ich wollte ihm helfen. Da ich in einer großen WG wohnte, bot ich ihm an, mir seine Nummer aufzuschreiben und ihn zurückzurufen, nachdem ich in meiner WG gefragt hatte, ob nicht jemand eine aus dem relativ großen Sortiment von Zeitungen, die er im Angebot hatte, abonnieren wollte. Er erfand nun eine Menge Ausflüchte, warum das nicht ginge und ich lieber sofort unterschreiben sollte. Da ich das nicht wollte, er aber auf keins meiner Angebote einging, kam nichts zustande und ich ging weiter. Erst wenige Minuten später fiel es mir wie Schuppen von den Augen: das Ganze war eine erfundene Geschichte! Er wollte einfach nur das Abo verkaufen, sonst nichts.

Auf unsere Frage hin wird hier deutlich, dass mir die anhaltende unterbewusste Suche nach einer kohärenten Interpretation das adäquate Verständnis erst ermöglichte. In der Situation selbst verstand ich das Verhalten und die Motivation des jungen Mannes nicht. Erst nach einer kleinen Inkubationspause gelang es meinem unterbewussten Geist, die verschiedenen Informationen auf kohärente Weise zusammenzusetzen. Würden also diese Prozesse nicht weiterlaufen, weil sich meine Aufmerksamkeit inzwischen anderen Dingen zugewendet hat, würde das bedeuten, dass ich in dieser Situation gefoppt würde und nichts für die nächste dazugelernt hätte. Daher scheint dieser unterbewusste Kognitionsmechanismus einen klaren "Wettbewerbs-"Vorteil zu liefern. Was eigentlich zu erklären ist, ist warum das Ganze unterbewusst und nicht bewusst abläuft. Eine mögliche Erklärung wäre, dass die bewusste Aktivierung der relevanten Gedächtnisinhalte eine Re-Interpretation nicht fördert, sondern im Gegenteil eher verhindert. Denn sie wird ja die momentane Repräsentation (die eben noch nicht adäquat ist) noch mal aktivieren und dadurch verstärken. Was aber vonnöten ist, ist eine Verringerung der Aktivierung der inadäquaten momentanen Sichtweise, so dass andere Möglichkeiten "zum Zuge" kommen können.


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